22 Uhr. Freitagabend. Diesmal nehmen wir uns kein Taxi, sondern gehen den Weg ins Zentrum zu Fuß. Die Straßen sind voller Autos, aber vor allem voller Menschen. Die Tiendas haben geöffnet. Körbe gefüllt mit Obst und Gemüse stehen auf dem Gehweg. Peruanos kaufen einige einzelne Zigaretten. Schokoriegel, Milch, Getränke, Brot und viele weitere nützliche wie auch nicht so nützliche Kleinigkeiten. Ein Späti, wie man sich ihn wünscht. Auf der Straße stehen verschiedene mobile Verkaufstände. Eis. Frisch gebraute warme Getränke. Hamburger. Zigaretten. Süßigkeiten. Aus jeder Tür kommt Musik. Gehupe. Geräusche der sich bewegenden Menschen. Eine Librería. Eine Pastelería. Eine Panadería. Restaurants von einfachem Menü für 4 bis 5 Soles bis hin zu nagelneuen Fastfoodlokalen. An der nächsten Ecke sitzt eine Frau hinter ausgebreiteter, zum Verkauf feilgebotener Wollkleidung auf dem Gehweg. Ein paar Meter weiter liegen Comics und Arbeitshefte auf der Straße, eine Gruppe Jugendlicher versammelt sich aufgeregt drumherum.
Egal, was dir Freitagnachts um 22 Uhr fehlen könnte, du würdest es hier finden.
Mal wieder fallen meine Converse fast auseinander. Ich mache mich zweifelnd auf den Weg zur Reparatur-Tienda. Sag mal, kann man die flicken?! Frage ich und erwarte, dass man mich schief anschaut und wegschickt. Stattdessen bekomme ich ein Lächeln geschenkt. Fast ein bisschen sich wundernd antwortet mir der Señor: Claro, estamos en el perú - todo es posible (Klar, wir sind hier in Peru - alles ist möglich). 7 Soles. Wie neu.
Ganz souverän erzählt er von seiner Familie und seiner Wohnsituation. Eine schwarze Plastiktüte in der Hand, auf die er immerwieder deutet, während er seine Kaugummis und Süßigkeiten anpreist. Vielleicht im Alter von 7 oder 8 Jahren hat er diese Geschichte schon dutzende Male erzählt, die Passagiere des Combis um Unterstützung gebeten, damit er sich etwas Essbares kaufen könne. Er weiß ganz genau, was die Leute fragen. Deswegen lässt er auch nichts weg; dass er zur Schule geht und am Nachmittag Kleinigkeiten aus der Tienda seiner Mutter auf der Straße verkauft - nichts weiter. Die Menschen suchen bereits ihr Kleingeld zusammen, bevor der Junge durch die Reihen geht. Wie seine wahre Geschichte ist, kann keiner sagen. Bis heute ist es für mich jedes Mal eine schwere Entscheidung, Kindern ein paar Centimos in die Hand zu drücken oder es doch sein zu lassen. Obwohl mein Kleingeld nurnoch für die Kombifahrt ausreicht, grübel ich darüber nach. Naja, in anderen Fällen stehlen sie sich einfach was sie brauchen. Der Junge geht seine Runde durch den Bus, steigt bei der nächsten Gelegenheit aus und schaut sich die vielen Stände an, die am Straßenrand aufgebaut sind. Er entscheidet sich für ein großes Stück Blechkuchen.
Ganz souverän erzählt er von seiner Familie und seiner Wohnsituation. Eine schwarze Plastiktüte in der Hand, auf die er immerwieder deutet, während er seine Kaugummis und Süßigkeiten anpreist. Vielleicht im Alter von 7 oder 8 Jahren hat er diese Geschichte schon dutzende Male erzählt, die Passagiere des Combis um Unterstützung gebeten, damit er sich etwas Essbares kaufen könne. Er weiß ganz genau, was die Leute fragen. Deswegen lässt er auch nichts weg; dass er zur Schule geht und am Nachmittag Kleinigkeiten aus der Tienda seiner Mutter auf der Straße verkauft - nichts weiter. Die Menschen suchen bereits ihr Kleingeld zusammen, bevor der Junge durch die Reihen geht. Wie seine wahre Geschichte ist, kann keiner sagen. Bis heute ist es für mich jedes Mal eine schwere Entscheidung, Kindern ein paar Centimos in die Hand zu drücken oder es doch sein zu lassen. Obwohl mein Kleingeld nurnoch für die Kombifahrt ausreicht, grübel ich darüber nach. Naja, in anderen Fällen stehlen sie sich einfach was sie brauchen. Der Junge geht seine Runde durch den Bus, steigt bei der nächsten Gelegenheit aus und schaut sich die vielen Stände an, die am Straßenrand aufgebaut sind. Er entscheidet sich für ein großes Stück Blechkuchen.
Als der Señor des Servicios Técnicos meine Kamera auseinandernimmt, schaue ich ihm misstrauisch zu. Es ist fast ein bisschen witzig, wie er da so in seinem kleinen Häuschen sitzt, die Kamera in ihre Einzelteile zerlegend. Ich nervös daneben - eigentlich will ich das garnicht sehen. Nach ein paar Minuten hat er die Diagnose. Ja, der Zoom funktioniert nicht mehr; ich glaube, da ist etwas im Objektiv kaputt. In 2 Tagen kannst du sie abholen. Schön, sag ich.
Diesmal war alles ruhiger. Auch in meinem Inneren. Ich hörte den Sound des Bebens zuerst, dann spürte ich das Wackeln. Schaute mich kurz um und rief meine Schüler_innen zusammen. Den Rest nahm ich an die Hand und ab in den Innenhof, wo sich bereits Einige versammelt haben. Wir sangen irgendwas, hielten uns fest und warteten bis das Wackeln des Bebens aufhörte. Unglaublich lange 2 Minuten. Nach Schulschluss kommt eine Kollegin zu mir und fragt mich, wie es mir ginge. Gutgut, erwidere ich, wieso? Naja, ich hab deinen erschrockenen, ängstlichen Gesichtsausdruck gesehen, sagt sie und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Ist schon recht witzig, so ein Erdbeben... denke ich und hoffe, dass sie mir meinen Sarkasmus nicht ansieht.
Eine Aufruhr im Kombi. Wie immer quetschen wir uns dicht aneinander. Sube sube sube! Es steigen weiterhin Leute ein; selbst dann, wenn man es garnichtmehr für möglich hält. Avanzen al fondo, avanzen (Nach hinten durchrücken!) Das eigentliche Problem - neben den gewohnten Gefühlen von Erstickung, den Quetschungen etc. - ensteht erst, wenn Menschen von bis hinten plötzlich aussteigen wollen oder garnicht erst aufrutschen, weil sie innerhalb der nächsten paar hundert Meter ihr Ziel erreichen. Der Cobrador läuft seine Runden um den Bus und bittet die Señores persönlich, doch noch ein bisschen zusammenzurücken. Heute Abend ist es besonders voll. Der Combi hält auch in der Seguro Social. Gerade dort, wo viele ältere oder auch kranke Menschen den Bus verlassen wollen. Stau, na toll. Der Cobrador bittet die Leute, doch schon einige Meter früher auszusteigen. Eine ältere Frau empört sich. Noch sind wir nicht da. Eine Frechheit, uns jetzt schon rausschmeißen zu wollen. Selbt schuld, wenn du deinen Combi so voll lädst. Eine Sitzreihe weiter hinten fängt nun auch ein Señor an zu brüllen. Ich weiß garnicht, wie ich mich hier rauswinden soll. Ich versteh nicht, warum du immermehr Leute einsteigen lässt. Es kann sich ja keiner mehr in irgendeine Richtung bewegen. Das war der Startschuss. Nun geht das Gerufe, Geschrei und die Beleidigungen los. Das einzige was du sagen kannst ist "avanzen al fondo". Halt doch endlich die Klappe! Ich höre interessiert zu, schmunzel und einmal kann ich mir einen lauten Lacher nicht verkneifen. Die Situation ist zu komisch. Irgendwie ist es doch überall ähnlich. Ältere Menschen, die sich beschweren, mit der Polizei drohen, sich miteinander gegen den Cobrador verschwören, der schon den ganzen Tag in der Bustür steht um von jeden einzelnem Passagier 80 Centimos abzukassieren und sämtliche Dinge über die Straße zu rufen. Von weitem hört man den Radiosprecher rufen: Están escuchando (Sie hören) Radio Ritmo Romantica!