Die staubtrockene Stadt saugt den Regen auf, als dürste sie es schon seit Jahren danach. Obwohl die aufziehenden Wolken schon seit Wochen den bevorstehenden Regen ankündigen, scheinen die Peruaner etwas überfordert... planlos... unvorbereitet. Auf den Straßen steht das Wasser. Der Verkehr ist vielleicht noch ein bisschen chaotischer, wer weiß. Stromausfall. Irgendwie schön!
Die Straßen sind voller Menschen, Autos und vieler anderer Dinge... wir halten den nächsten Kombi an. Es scheint als passt diesmal wirklich kein Mensch mehr hinein. Im schmalen Mittelgang des Busses drängen sich die Menschen schon in Dreiherreihen. Vamos, sag ich und wir springen durch den Regen zum Kombi. Sube atras! Avanza! Arriba! Wir müssen schieben. Perdon! Schlussendlich landen wir auf der untersten Stufe der geöffneten Hintertür des Busses... Jule schaut mich an und wir fangen an zu lachen. Das Wasser der Straßen spritzt uns an die Beine. Der frische Regenduft weht uns ins Gesicht, während die anderen Passagiere wahrscheinlich um jedes bisschen Frischluft kämpfen müssen. Ich fühle mich wie ein Cobrador, hänge aus der Tür und muss mir verkneifen, die Stationen auf die Straße zu rufen.
So zusammengepresst im Kombi, wo jeder jeden festhält, damit er nicht in der nächsten Kurve aus der Tür fällt, kommt irgendwie ein bisschen Weihnachtsstimmung auf. Ich habe das Gefühl, die Menschen freuen sich über den Regen. Vielleicht ist Regen zu Weihnachten hier ein bisschen wie weiße Weihnacht in Deutschland.
Jule weckt mich am frühen Morgen. Boah, Resa, hast du den Misti schon gesehen. Was? Leicht verschlafen werfe ich ein Blick aus dem Fenster. Unglaublich. Ich kann es kaum fassen. Die wenigen Stunden Niederschlag gestern haben dem Misti ein weißes Kleid umgehangen. Die Wolken verziehen sich langsam weiter Richtung Anden und Selva. Seit ein paar Stunden knallt wieder die Sonne. Es ist eben Sommer in Perú. Ich blicke in Richtung Berge und denke, dass ich vielleicht sogar mehr Schnee sehen kann als Viele in der Heimat. Weihnachten mal anders. Ich freue mich schon auf den nächsten Regen.
Eine passende Gelegenheit um der Welt frohe Weihnachten zu wünschen. Für mich scheint es dieses Jahr nicht so wichtig zu sein. Auf die sorgenden Worte, die mich bereits erreicht haben, erwidere ich an dieser Stelle: Meine Heimat und die lieben Menschen werden mir morgen nicht mehr und auch nicht weniger fehlen als an anderen Tagen!
Abrazos de Navidad!
| El Misti en el verano... jaja |