17.11.2012
Nein... Weder auf Spanisch, noch auf Deutsch fühle ich mich in der Lage, genau das festzuhalten, was genau in diesem Moment meine Gemütslage bestimmt...
Ruhe.
Zufriedenheit.
Glück.
Liebe.
Und ein gesundes Maß an Melancholie.
Ich fühle mich gut.
Bemerke, dass ich auch mein Geburtsland lieben kann. Es ist seit meiner Rückkehr aus Perú das erste Mal, dass ich spüre, auch hier irgendwie hinzugehören.... aber auch dorthin, wo mein Leben ein Jahr lang stattfand. Ich merke, wie diese Worte zulassen oder helfen, mein hin- und hergerissenes Herz zu akzeptieren. Die "Heimatlosigkeit" aufgebe für die Erkenntnis, dass meine Heimat die Welt ist... das Hier, und Arequipa, und vielleicht noch so manch anderer Ort, den es noch zu entdecken gilt (((Hier nochmal ein großes Dank an mein Herkunftsland und diesen alles ermöglichenden Reisepass))).
Dass das Alles in meinem Inneren zusammenfließt.
Ich weiß, dass ihr bei mir seid, und auch wenn nicht neben mir, dann doch in jeder Faser meines Körpers. Ohne Zweifel.
Si‼ El mundo es uno, aún cuando una mayoría de su población no se da cuenta de eso. Mas vale lo que sentimos y vivimos día por día. Y así acercamos las "nacionalidades", creamos puentes y nos unimos con nuestros sueños y ideas y anhelos que en verdad no tienen ni fronteras ... o eso espero.
Arequipa, Perú... y mucho más - o: Donde crecen las Guayabas
"No vale el tiempo, pero valen las memorias. No se cuentan los segundos, se cuentan historias" Para compartir las mías...en toda su belleza y con todos sus detalles. Viviendo una vida mas allá de lo ya conocido... para ustedes y quienes interesa. Que lo disfruten! Um an den Geschichten teilhaben zu lassen... in ihrer Schönheit und mit all ihren Details. Lebend jenseits von dem bereits Bekanntem... für euch und diejenigen, die daran Interesse haben. Viel Spaß!
Dienstag, 17. November 2015
Freitag, 13. September 2013
La Vida con Guayabas ... ;)
Ich zappele auf meinem Sitz hin und her, auf und ab... mir ist heiß und kalt zugleich. Ich weiß nicht ob ich vor Aufregung zittere oder vor Spannung bebe, aber irgendwas schlägt riesengroße Wellen in meinem Inneren. Der junge Herr neben mir erzählt, dass er Geologe sei, nach Cusco fliegt und noch so vieles mehr, stellt mir allerhand Fragen und ich antworte ihm ... Eine Stunde und 25 Minuten - und irgendwie bin ich ihm sehr dankbar dafür, dass er mich von all dem Unbeschreiblichem, was gerade in mir vorgeht, ablenkt.
Wie wahnsinnig habe ich mich auf diesen Flug gefreut. Lima -Arequipa. 6 Uhr morgens. Der Welt mal wieder beim Aufwachen zuschauen. Diesmal von oben. Unter mir die Anden. Und der sehnsüchtig erwartete Blick auf meine liebgewonnen Vulkane um Arequipa. So schön es auch gewesen wäre... Mein Sitzplatz befindet sich natürlich in der letzten Sitzreihe des Fliegers - ohne Fenster. Ich setze mich und muss laut lachen. Während der Rest der Passagiere schläft, sehe ich lediglich das rosarote Licht der aufgehende Sonne durch den Flieger huschen; beuge mich neugierig nach vorne, nach hinten, links und rechts - nichts. Naja... denke ich, ist auch so ganz schön, und versuche mich zappelnd zu entspannen...
Das Flugzeug hält und als sich die Türen öffnen, macht sich um ich herum bereits die kühle, erfrischende Bergesluft breit. Das Grinsen auf den Lippen wird immer größer, die Knie immer weicher. Ich verabschiede mich von meinem Sitznachbarn und begebe mich zur Tür.
Ein Schritt nach vorne und mein sich erhebender Blick in Richtung Freiheit...
...und so schnell finde ich mich auf der obersten Stufe der Flugzeugtreppe wieder. Ein weiteres Mal den Eingang blockierend. Und ein weiteres Mal steht die Welt - meine Welt - still ---
Ich atme tief ein und aus.
Und schmelze irgendwie dahin.
Vor mir trumpfen die - wie eh und je - schneebedeckten Vulkangipfel des Mistis und Chachanis in den wolkenlosen, tiefblauen Morgenhimmel, die aufegehende Sonne strahlt mir ins Gesicht und tunkt die Stadt in ein sanftes, beruhigendes Licht. Ich breite die Arme aus und flüstere vor mich hin: Da bin ich wieder mi querida Arequipa! Ich lächle und die in den letzten Stunden gesammelten Emotionen lösen sich in ein paar weiche Tränen auf, die mir erfrischend über die Wangen kullern.
Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und steige hinab...
Arequipa.
Durch meinen Kopf geistern die Gedanken udn Gefühle der letzten 11 Monate, die Sehnsüchte und Träume, die Erinnerungen und Erwartungen, und und und.... die mich jeden Tag fernab von hier begleiteten.
All das... um nach kurzer Zeit festzustellen, dass das Hiersein sich doch unheimlich normal anfühlt. Das Verkehrschaos, Gehupe, die Rufe der aus der Bustür hängenden Cobradores - ihr wisst schon: Alguien baja seguro? ya! baja baja baja. Sube sube sube, lleva! - der Geruch von abgestandenem Frittierfett und Abgasen in den Straßen, die Melodie des Müllautos, die freundlich grüßende Senora der Tienda an der Ecke, der Duft frischer Guayabas (Guaven!!!) in den mit Früchten gefüllten Regalen, der Geschmack von Instantcafé Altomayo Peru mit Milch Pura Vida aus der Dose in den Morgenstunden...
und die Details, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Die Schönheit des Wesentlichen.
La bella vida.
Sumaq kawsay.
und das Gefühl, mal wieder Zuhause zu sein.
Wie wahnsinnig habe ich mich auf diesen Flug gefreut. Lima -Arequipa. 6 Uhr morgens. Der Welt mal wieder beim Aufwachen zuschauen. Diesmal von oben. Unter mir die Anden. Und der sehnsüchtig erwartete Blick auf meine liebgewonnen Vulkane um Arequipa. So schön es auch gewesen wäre... Mein Sitzplatz befindet sich natürlich in der letzten Sitzreihe des Fliegers - ohne Fenster. Ich setze mich und muss laut lachen. Während der Rest der Passagiere schläft, sehe ich lediglich das rosarote Licht der aufgehende Sonne durch den Flieger huschen; beuge mich neugierig nach vorne, nach hinten, links und rechts - nichts. Naja... denke ich, ist auch so ganz schön, und versuche mich zappelnd zu entspannen...
Das Flugzeug hält und als sich die Türen öffnen, macht sich um ich herum bereits die kühle, erfrischende Bergesluft breit. Das Grinsen auf den Lippen wird immer größer, die Knie immer weicher. Ich verabschiede mich von meinem Sitznachbarn und begebe mich zur Tür.
Ein Schritt nach vorne und mein sich erhebender Blick in Richtung Freiheit...
...und so schnell finde ich mich auf der obersten Stufe der Flugzeugtreppe wieder. Ein weiteres Mal den Eingang blockierend. Und ein weiteres Mal steht die Welt - meine Welt - still ---
Ich atme tief ein und aus.
Und schmelze irgendwie dahin.
Vor mir trumpfen die - wie eh und je - schneebedeckten Vulkangipfel des Mistis und Chachanis in den wolkenlosen, tiefblauen Morgenhimmel, die aufegehende Sonne strahlt mir ins Gesicht und tunkt die Stadt in ein sanftes, beruhigendes Licht. Ich breite die Arme aus und flüstere vor mich hin: Da bin ich wieder mi querida Arequipa! Ich lächle und die in den letzten Stunden gesammelten Emotionen lösen sich in ein paar weiche Tränen auf, die mir erfrischend über die Wangen kullern.
Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und steige hinab...
Arequipa.
Durch meinen Kopf geistern die Gedanken udn Gefühle der letzten 11 Monate, die Sehnsüchte und Träume, die Erinnerungen und Erwartungen, und und und.... die mich jeden Tag fernab von hier begleiteten.
All das... um nach kurzer Zeit festzustellen, dass das Hiersein sich doch unheimlich normal anfühlt. Das Verkehrschaos, Gehupe, die Rufe der aus der Bustür hängenden Cobradores - ihr wisst schon: Alguien baja seguro? ya! baja baja baja. Sube sube sube, lleva! - der Geruch von abgestandenem Frittierfett und Abgasen in den Straßen, die Melodie des Müllautos, die freundlich grüßende Senora der Tienda an der Ecke, der Duft frischer Guayabas (Guaven!!!) in den mit Früchten gefüllten Regalen, der Geschmack von Instantcafé Altomayo Peru mit Milch Pura Vida aus der Dose in den Morgenstunden...
und die Details, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Die Schönheit des Wesentlichen.
La bella vida.
Sumaq kawsay.
und das Gefühl, mal wieder Zuhause zu sein.
Sonntag, 6. Januar 2013
was auch immer das ist...?!
zwischen silvester und neujahr.
eine stadt explodiert.
diesmal heißt sie nicht arequipa,
sondern berlin.
und irgendwie ist es anders,
aber doch auch gleich.
geschichten wiederholen sich.
oder gefühle.
ausgelöst durch gerüche, geräusche, klänge, gefühle oder solcherlei optische begebenheiten.
und so spielen uns die hinweisreize einen streich,
versetzen uns in stimmungen,
lösen gedanken und gefühle aus,
lassen uns erinnern...
...und darin schwelgen.
geflashbackt träumt man so vor sich hin.
kommt wieder klar...
... oder auch nicht.
und trifft sich selbst an.
irgendwo zwischen dem eigenen kopf und realität.
was auch immer das ist...
Montag, 1. Oktober 2012
el paso mas penoso.
Ich steige die
Treppe zum Flugzeugeingang hinauf. Sehe die offene Tür und den freundlich
schauenden Flugbegleiter, der mir schon ein gutgelauntes „Buenos días señorita“ entgegen schmettern möchte - während ich ihm
noch einmal den Rücken zukehre.
Ein letzter
Blick auf die atemberaubende Landschaft und Arequipa. Mal wieder die
schneebedeckten Vulkangipfel des Mistis, Chachanis und Picchupicchus, die mich
jeden Tag mit ihrer energiegeladenen Ausstrahlung durch den Tag begleiteten.
Auch wenn den immer strahlend blau leuchtenden Himmel heute Wolken bedecken,
bringe ich es nicht über das Herz den schwierigsten Schritt zu gehen.
Einsteigen.
Ich stehe so da
und schaue und genieße. Dicke schmerzgetränkte Tränen rollen mir aus den
bereits rotgeweinten und geschwollenen Augen über die Wangen. Ein unbeschreiblich
flaues Gefühl breitet sich in der Magengegend aus und auch darüber hinaus. Die
Gedanken drehen sich in meinem Kopf und verursachen einen üblen Schwindel.
Jetzt ist es soweit. Du verlässt die Stadt.
Arequipa, deine Schule, deine Freunde, deine Berge, deine Felsen - dein Leben
hier. Und so wie du es jetzt noch in dir
trägst, wirst du es – selbst, wenn du dir noch so sicher bist, zurückzukehren -
nicht wieder vorfinden können. Nicht genau so. Nicht mit dem Kleinbus Elodies,
der dich an den Flughafen bringt und mit den Freunden aus aller Welt, die dich
sogar bis hierhin begleiten; bis zum letzten gemeinsamen Augenblick. Es ist
nicht fair. Warum entscheide nicht ich, wann ich bereit bin zum Zurückkehren?
Warum gibt es Institutionen in Deutschland, die eine doch so wichtige und
schwerwiegende persönliche Entscheidung für mich treffen – Ohne überhaupt zu
wissen oder verstehen zu können, was sie da tun. Ohne überhaupt nachzufragen.
Und obwohl ich mir die letzte Zeit so gut eingeredet habe, dass diese Rückkehr
Teil meines Jahres in Peru ist und ich es damit erst komplett mache, erkenne
ich den Haken an der ganzen Sache. Es fühlt sich nicht richtig an.
Ich bin die Letzte.
Ein Dutzend Flughafenpersonal und Fluggesellschaftsmitarbeiter kamen mir
bereits am Gate entgegen. Beeilung. Hierentlang. Hier dies und hier das. Was? Nein. Das ist nicht richtig, das bin
nicht ich, die gerade halbautomatisch zum Flugzeug gegangen wird. Mit dem Gefühl
im Inneren einen großen Fehler begangen zu haben. Scheiße. Ich habe unbewusst schon alles gegeben, aber irgendwie hat
es dann doch noch gereicht, um den Flieger nicht zu verpassen. Ich laufe über
den Flugplatz zur Treppe. Nein. Das ist
noch nicht vorbei. Lauf, Resa. Jetzt. Du musst einfach loslaufen und dann bist
du frei. Wer sagt denn, dass du jetzt mitfliegen musst. Bleib stehen. Geh da
nicht hin. Corre nomas. Mit mir selbst ringend schleppe mich so dahin und
lande auf der obersten Treppenstufe trotzdem ich einige Male stehengeblieben
bin, mich umgedreht habe. In der Hoffnung eine_n meiner Freund_innen zu sehen, mir
zurufend. Reeesaaaa. Wach auf. Bleib
hier. Das ist doch alles gar nicht real. Aber da war niemand mehr. In weiser
Voraussicht … vielleicht.
Der
Flugbegleiter bittet mich sehr höflich und einfühlend, nun auch endlich einzusteigen.
Und obwohl er sicherlich ein toller Typ ist, kann ich ihn nicht so richtig
leiden. Der hat doch keine Ahnung,
denke ich schluchzend. Meiner Boardingkarte zum ersten Mal Beachtung schenkend
suche ich mir meinen Sitzplatz; die mitleidig wirkenden Blicke der „bereiten“, schon
angeschnallt wartenden Fluggäste aushaltend. Ich merke erst jetzt selbst, dass
ich nicht mit dem bitterlichen Weinen aufhören kann.
Schmerz. Trauer.
Bedauern. Vermissen. Selbstmitleid. Viel zu viel und ich zerfließe darin. Aber
ich lass es zu. Denn es gehört dazu.
Montag, 24. September 2012
lo que me quedará...
Noch einmal Arequipa einatmen. Ganz tief.
Alles in sich aufnehmen, aufsaugen. Damit es bleibt.
Und genießen. Mit jeder Faser des Körpers.
Öfter einmal stehenbleiben, anhalten und sich ganz genau umschauen.
Um nicht das geringste Detail zu verlieren.
Alle Sinne aktivieren.
Das Gefuehl zulassen.
Von Leben.
Arequipa.
Und Leben in Arequipa.
Die Kraft der Sonne und die Kuehle des Windes.
Der Geschmack von Staub und Abgasen und abgestandenem Frittierfett auf den Lippen.
Die Geräusche der sich in die Dämmerung neigenden Stadt.
Autos, Taxis und Kombis - wie immer in ihrem Hupkonzert.
Cobradores.
Vendedores an jeder Ecke.
Genuscheltes Spanisch, oder doch eher ein wohlklingender Singsang.
Gelächter. Getuschel. Geschrei. Diskussionen. Gespräche.
Ich bleibe mitten auf der Straße stehen. Drehe mich ein paarmal um meine eigene Achse.
Mit dem Wunsch, dass es einfach genauso bliebe.
Ich hier. Ohne mich fragen zu muessen, wie oft ich das, was ich so sehr in mein Herz geschlossen habe, noch sehen und erleben darf, dieses Gefuehl, was mich gerade ueberwältigt, genießen darf.
Zu dem Gefuehl von Leichtigkeit, Unbeschwertheit, ja fast Glueckseligkeit gesellen sich die Emotionen der letzten Tage.
Ein Jahr geht vorueber.
Und seitdem ich meinen Rueckflugtermin habe, hat sich etwas verändert. Es ist Anfang Juli. Und obwohl mir noch zwei Monate bleiben, schmerzt mir so vieles bei dem bloßen Gedanken an dieses Datum.
Das war's dann also schon?
So schnell vergeht ein Jahr?
Was ist schon ein Jahr?
Irgendwie zu viel und auch viel zu wenig. Viel zu wenig.
Dieses Wochenende war es besonders intensiv und stärker als jemals zuvor. Das Gefuehl genau hier und genau jetzt zu Hause zu sein. Ein Zuhause gefunden zu haben fernab von Heimat. Auf dem Weg nach Callalli kam mal wieder das Gespräch auf. Was ich hier mache, wie es mir gefiele, wie lange ich bliebe und ob ich zurueckkehren wölle... Und obwohl ich es fast schon nicht mehr hören kann, oder will, gebe ich freundlich die Antworten.
Und in diesem Moment wurde mir klar, was es bedeutet.
Was das alles fuer mich bedeutet.
Wie es sich anfuehlt, wenn sich das Herz spaltet.
Wenn man etwas gefunden hat, was es mas allá nicht gibt.
Wenn man sich in etwas verliebt, was man irgendwie und zumindest fuer eine gewisse Zeit hinter sich lassen muss.
Wenn man vergisst, was man vermisst.
Ich möchte mich gerne auf das freuen, was mich in Deutschland nach einem Jahr erwartet: Familie, Freunde, Ideen und ihre Möglichkeiten, Jahreszeiten, Musik, Sommer in großen, saftig-gruenen Parks und all das, was mir doch irgendwie fehlt(e).
Aber die Faszination. Die Stadt... das Land... das Leben hier... und alles reißt mich tief und bedingungslos in seinen Bann.
Y como me gustaría poder dedicarme a eso...
Mit der Schwierigkeit, die richtigen Worte dafuer zu finden...
Arequipa, Perú... irgendwie bist du ein Teil von mir geworden... und ich auch irgendwie von dir. Wie schön.
Und wie schmerzhaft.
Que placer conocerte.
Alles in sich aufnehmen, aufsaugen. Damit es bleibt.
Und genießen. Mit jeder Faser des Körpers.
Öfter einmal stehenbleiben, anhalten und sich ganz genau umschauen.
Um nicht das geringste Detail zu verlieren.
Alle Sinne aktivieren.
Das Gefuehl zulassen.
Von Leben.
Arequipa.
Und Leben in Arequipa.
Die Kraft der Sonne und die Kuehle des Windes.
Der Geschmack von Staub und Abgasen und abgestandenem Frittierfett auf den Lippen.
Die Geräusche der sich in die Dämmerung neigenden Stadt.
Autos, Taxis und Kombis - wie immer in ihrem Hupkonzert.
Cobradores.
Vendedores an jeder Ecke.
Genuscheltes Spanisch, oder doch eher ein wohlklingender Singsang.
Gelächter. Getuschel. Geschrei. Diskussionen. Gespräche.
Ich bleibe mitten auf der Straße stehen. Drehe mich ein paarmal um meine eigene Achse.
Mit dem Wunsch, dass es einfach genauso bliebe.
Ich hier. Ohne mich fragen zu muessen, wie oft ich das, was ich so sehr in mein Herz geschlossen habe, noch sehen und erleben darf, dieses Gefuehl, was mich gerade ueberwältigt, genießen darf.
Zu dem Gefuehl von Leichtigkeit, Unbeschwertheit, ja fast Glueckseligkeit gesellen sich die Emotionen der letzten Tage.
Ein Jahr geht vorueber.
Und seitdem ich meinen Rueckflugtermin habe, hat sich etwas verändert. Es ist Anfang Juli. Und obwohl mir noch zwei Monate bleiben, schmerzt mir so vieles bei dem bloßen Gedanken an dieses Datum.
Das war's dann also schon?
So schnell vergeht ein Jahr?
Was ist schon ein Jahr?
Irgendwie zu viel und auch viel zu wenig. Viel zu wenig.
Dieses Wochenende war es besonders intensiv und stärker als jemals zuvor. Das Gefuehl genau hier und genau jetzt zu Hause zu sein. Ein Zuhause gefunden zu haben fernab von Heimat. Auf dem Weg nach Callalli kam mal wieder das Gespräch auf. Was ich hier mache, wie es mir gefiele, wie lange ich bliebe und ob ich zurueckkehren wölle... Und obwohl ich es fast schon nicht mehr hören kann, oder will, gebe ich freundlich die Antworten.
Und in diesem Moment wurde mir klar, was es bedeutet.
Was das alles fuer mich bedeutet.
Wie es sich anfuehlt, wenn sich das Herz spaltet.
Wenn man etwas gefunden hat, was es mas allá nicht gibt.
Wenn man sich in etwas verliebt, was man irgendwie und zumindest fuer eine gewisse Zeit hinter sich lassen muss.
Wenn man vergisst, was man vermisst.
Ich möchte mich gerne auf das freuen, was mich in Deutschland nach einem Jahr erwartet: Familie, Freunde, Ideen und ihre Möglichkeiten, Jahreszeiten, Musik, Sommer in großen, saftig-gruenen Parks und all das, was mir doch irgendwie fehlt(e).
Aber die Faszination. Die Stadt... das Land... das Leben hier... und alles reißt mich tief und bedingungslos in seinen Bann.
Y como me gustaría poder dedicarme a eso...
Mit der Schwierigkeit, die richtigen Worte dafuer zu finden...
Arequipa, Perú... irgendwie bist du ein Teil von mir geworden... und ich auch irgendwie von dir. Wie schön.
Und wie schmerzhaft.
Que placer conocerte.
Donnerstag, 14. Juni 2012
Arequipa y sus detalles
22 Uhr. Freitagabend. Diesmal nehmen wir uns kein Taxi, sondern gehen den Weg ins Zentrum zu Fuß. Die Straßen sind voller Autos, aber vor allem voller Menschen. Die Tiendas haben geöffnet. Körbe gefüllt mit Obst und Gemüse stehen auf dem Gehweg. Peruanos kaufen einige einzelne Zigaretten. Schokoriegel, Milch, Getränke, Brot und viele weitere nützliche wie auch nicht so nützliche Kleinigkeiten. Ein Späti, wie man sich ihn wünscht. Auf der Straße stehen verschiedene mobile Verkaufstände. Eis. Frisch gebraute warme Getränke. Hamburger. Zigaretten. Süßigkeiten. Aus jeder Tür kommt Musik. Gehupe. Geräusche der sich bewegenden Menschen. Eine Librería. Eine Pastelería. Eine Panadería. Restaurants von einfachem Menü für 4 bis 5 Soles bis hin zu nagelneuen Fastfoodlokalen. An der nächsten Ecke sitzt eine Frau hinter ausgebreiteter, zum Verkauf feilgebotener Wollkleidung auf dem Gehweg. Ein paar Meter weiter liegen Comics und Arbeitshefte auf der Straße, eine Gruppe Jugendlicher versammelt sich aufgeregt drumherum.
Egal, was dir Freitagnachts um 22 Uhr fehlen könnte, du würdest es hier finden.
Mal wieder fallen meine Converse fast auseinander. Ich mache mich zweifelnd auf den Weg zur Reparatur-Tienda. Sag mal, kann man die flicken?! Frage ich und erwarte, dass man mich schief anschaut und wegschickt. Stattdessen bekomme ich ein Lächeln geschenkt. Fast ein bisschen sich wundernd antwortet mir der Señor: Claro, estamos en el perú - todo es posible (Klar, wir sind hier in Peru - alles ist möglich). 7 Soles. Wie neu.
Ganz souverän erzählt er von seiner Familie und seiner Wohnsituation. Eine schwarze Plastiktüte in der Hand, auf die er immerwieder deutet, während er seine Kaugummis und Süßigkeiten anpreist. Vielleicht im Alter von 7 oder 8 Jahren hat er diese Geschichte schon dutzende Male erzählt, die Passagiere des Combis um Unterstützung gebeten, damit er sich etwas Essbares kaufen könne. Er weiß ganz genau, was die Leute fragen. Deswegen lässt er auch nichts weg; dass er zur Schule geht und am Nachmittag Kleinigkeiten aus der Tienda seiner Mutter auf der Straße verkauft - nichts weiter. Die Menschen suchen bereits ihr Kleingeld zusammen, bevor der Junge durch die Reihen geht. Wie seine wahre Geschichte ist, kann keiner sagen. Bis heute ist es für mich jedes Mal eine schwere Entscheidung, Kindern ein paar Centimos in die Hand zu drücken oder es doch sein zu lassen. Obwohl mein Kleingeld nurnoch für die Kombifahrt ausreicht, grübel ich darüber nach. Naja, in anderen Fällen stehlen sie sich einfach was sie brauchen. Der Junge geht seine Runde durch den Bus, steigt bei der nächsten Gelegenheit aus und schaut sich die vielen Stände an, die am Straßenrand aufgebaut sind. Er entscheidet sich für ein großes Stück Blechkuchen.
Ganz souverän erzählt er von seiner Familie und seiner Wohnsituation. Eine schwarze Plastiktüte in der Hand, auf die er immerwieder deutet, während er seine Kaugummis und Süßigkeiten anpreist. Vielleicht im Alter von 7 oder 8 Jahren hat er diese Geschichte schon dutzende Male erzählt, die Passagiere des Combis um Unterstützung gebeten, damit er sich etwas Essbares kaufen könne. Er weiß ganz genau, was die Leute fragen. Deswegen lässt er auch nichts weg; dass er zur Schule geht und am Nachmittag Kleinigkeiten aus der Tienda seiner Mutter auf der Straße verkauft - nichts weiter. Die Menschen suchen bereits ihr Kleingeld zusammen, bevor der Junge durch die Reihen geht. Wie seine wahre Geschichte ist, kann keiner sagen. Bis heute ist es für mich jedes Mal eine schwere Entscheidung, Kindern ein paar Centimos in die Hand zu drücken oder es doch sein zu lassen. Obwohl mein Kleingeld nurnoch für die Kombifahrt ausreicht, grübel ich darüber nach. Naja, in anderen Fällen stehlen sie sich einfach was sie brauchen. Der Junge geht seine Runde durch den Bus, steigt bei der nächsten Gelegenheit aus und schaut sich die vielen Stände an, die am Straßenrand aufgebaut sind. Er entscheidet sich für ein großes Stück Blechkuchen.
Als der Señor des Servicios Técnicos meine Kamera auseinandernimmt, schaue ich ihm misstrauisch zu. Es ist fast ein bisschen witzig, wie er da so in seinem kleinen Häuschen sitzt, die Kamera in ihre Einzelteile zerlegend. Ich nervös daneben - eigentlich will ich das garnicht sehen. Nach ein paar Minuten hat er die Diagnose. Ja, der Zoom funktioniert nicht mehr; ich glaube, da ist etwas im Objektiv kaputt. In 2 Tagen kannst du sie abholen. Schön, sag ich.
Diesmal war alles ruhiger. Auch in meinem Inneren. Ich hörte den Sound des Bebens zuerst, dann spürte ich das Wackeln. Schaute mich kurz um und rief meine Schüler_innen zusammen. Den Rest nahm ich an die Hand und ab in den Innenhof, wo sich bereits Einige versammelt haben. Wir sangen irgendwas, hielten uns fest und warteten bis das Wackeln des Bebens aufhörte. Unglaublich lange 2 Minuten. Nach Schulschluss kommt eine Kollegin zu mir und fragt mich, wie es mir ginge. Gutgut, erwidere ich, wieso? Naja, ich hab deinen erschrockenen, ängstlichen Gesichtsausdruck gesehen, sagt sie und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Ist schon recht witzig, so ein Erdbeben... denke ich und hoffe, dass sie mir meinen Sarkasmus nicht ansieht.
Eine Aufruhr im Kombi. Wie immer quetschen wir uns dicht aneinander. Sube sube sube! Es steigen weiterhin Leute ein; selbst dann, wenn man es garnichtmehr für möglich hält. Avanzen al fondo, avanzen (Nach hinten durchrücken!) Das eigentliche Problem - neben den gewohnten Gefühlen von Erstickung, den Quetschungen etc. - ensteht erst, wenn Menschen von bis hinten plötzlich aussteigen wollen oder garnicht erst aufrutschen, weil sie innerhalb der nächsten paar hundert Meter ihr Ziel erreichen. Der Cobrador läuft seine Runden um den Bus und bittet die Señores persönlich, doch noch ein bisschen zusammenzurücken. Heute Abend ist es besonders voll. Der Combi hält auch in der Seguro Social. Gerade dort, wo viele ältere oder auch kranke Menschen den Bus verlassen wollen. Stau, na toll. Der Cobrador bittet die Leute, doch schon einige Meter früher auszusteigen. Eine ältere Frau empört sich. Noch sind wir nicht da. Eine Frechheit, uns jetzt schon rausschmeißen zu wollen. Selbt schuld, wenn du deinen Combi so voll lädst. Eine Sitzreihe weiter hinten fängt nun auch ein Señor an zu brüllen. Ich weiß garnicht, wie ich mich hier rauswinden soll. Ich versteh nicht, warum du immermehr Leute einsteigen lässt. Es kann sich ja keiner mehr in irgendeine Richtung bewegen. Das war der Startschuss. Nun geht das Gerufe, Geschrei und die Beleidigungen los. Das einzige was du sagen kannst ist "avanzen al fondo". Halt doch endlich die Klappe! Ich höre interessiert zu, schmunzel und einmal kann ich mir einen lauten Lacher nicht verkneifen. Die Situation ist zu komisch. Irgendwie ist es doch überall ähnlich. Ältere Menschen, die sich beschweren, mit der Polizei drohen, sich miteinander gegen den Cobrador verschwören, der schon den ganzen Tag in der Bustür steht um von jeden einzelnem Passagier 80 Centimos abzukassieren und sämtliche Dinge über die Straße zu rufen. Von weitem hört man den Radiosprecher rufen: Están escuchando (Sie hören) Radio Ritmo Romantica!
Samstag, 26. Mai 2012
Die Geschichten in meinem Kopf
werden immer mehr. Die Blogeinträge immer weniger. Die Zeit rauscht nur so an
mir vorbei. Mir kommt es so vor, als hätte ich gestern noch gesagt, dass mir
noch ein halbes Jahr bleibt. Und Zack. Da sind es morgen plötzlich nur noch 3
Monate.
Es ist Freitagabend. Mal wieder.
Ich krame in meinem Gedächtnis. Sortiere das letzte Vierteljahr. Suche nach
Worten in einer Sprache, die ich nur noch bei Gelegenheit sprechen kann. Denn
gerne möchte ich an dem teilhaben lassen, was mich an diesem Land so
fasziniert.
Und los!
Sanft schaukeln wir über den
sandigen, durch den Küstenwind wellig gekämmten Weg. Wir lehnen an dem aufs
Dach gebundenen Wassertank, zugedeckt und schauen in den Nachthimmel. Das Meer
rauscht im Hintergrund, doch in der Dunkelheit können wir nur die schäumende
Gischt 100 Meter von uns entfernt erahnen. Aus den geöffneten Fenstern unter
uns erklingt Musik. Ansonsten ist alles still. Wir suchen bekannte
Sternenbilder, doch auf der anderen Seite des Äquators scheint das gar nicht so
einfach. Hier leuchten vielmehr Venus, Cruz del Sur und Millionen andere
Sterne. Ich glaube, niemals zuvor konnte ich so viele strahlend leuchtende Himmelslichter
betrachten. Die Milchstraße ist einfach der Wahnsinn, zieht ihre Kreise und man
sieht genau die Form dieser überaus prachtvollen Galaxie. Und wie immer, wenn
man eine ganze Zeitlang in den Himmel blickt, überkommt einen dieses
wohlbekannte Gefühl. Die Mächtigkeit des Weltalls, der Erde, Lateinamerikas und
Perus. Und wir bewegen uns wie kleine lächerliche Punkte in diesem Riesenland.
Vor uns ein Wochenende am Strand. In einer kleinen Bucht zwischen Camaná und
Quilca. Bis auf eine kleine, mit Palmenwedeln gedeckte Hütte, in der ein
älteres Ehepaar lebt und bei Bedarf Mahlzeiten und Bier anbietet, trifft man
hier nicht viel an. Doch: Ruhe. Und noch einigen Wochen Arequipa ist das auch
mal ganz gut.
Alpaka, Llama, Vicuña und wie sie
alle heißen, die vielfältigen Lamaarten, die auf den Hochebenen und in der Nähe
der Lagunen der Anden grasen. Dass die einigen Verkehrsschilder, die es hier
gibt, tatsächlich die verschiedenen Gattungen der Lamas berücksichtigen,
wundert mich nicht mehr. Zum Glück hat man so gut wie immer peruanische Freunde
dabei, die einem dann Schilder, wie beispielsweise „Lasst keine Steine auf der
Straße“ erklären. Das ist allerdings eine andere Geschichte.
Heute Morgen haben wir uns mit
dem „Dragon“, den schneidigen Bus Elodies, auf den Weg gemacht. Dank der freien
Tage um den ersten Mai können wir unsere Reise in die Selva (den Urwald) Perus
starten. Und mal wieder zeigt einem dieses Land all das (würde ich gerne sagen,
und obwohl es sich auch sehr gut anhört, ist es nur ein Teil von alledem), was
es zu bieten hat. Andine Hochebenen, Lagunen, schneebedeckte Berggipfel, kleine
Dörfer, bunt und dick eingepackte Menschen die Tierherden aller Art durch die
Sierra treiben, und die vielen Dinge, die eine Reise, auch wenn sie noch so
lang ist, nicht langweilig werden lassen. Am Abend erreichen wir den Pass. 4873
msnm. Wir kauen schon seit Stunden fleißig Cocablätter. Und es hilft. Gegen die
Kälte leider nicht, aber dafür gibt es ja
Alpakas. Eingepackt in gut wärmende, kuschlige Wollpullis, -stulpen,
-mützen, -handschuhen und anderen Dingen lässt es sich doch sehr gut aushalten.
Auf der anderen Seite der Anden
begrüßt uns bereits in der Nacht eine völlig andere Vegetationszone. Und obwohl
wir es in der Dunkelheit gar nicht richtig sehen können, können wir es doch
spüren. Feuchtigkeit und Wärme. Selva, wir kommen.
Nach einer Nacht zu viert im
Combi, können wir es kaum erwarten, die Landschaft endlich bei Tageslicht zu
sehen. Ich wühle mich aus dem Schlafsack, öffne die Tür und staune. Die steile
Bergwand, die vor uns in den Himmel ragt, hat ein saftig-sattes Grün, wie ich
es kaum gesehen habe. Wasserfälle schlängeln sich durch Felsspalten, springen
über spitzkantige Steine und tränken die Berge mit Leben.
Während wir mit dem Combi auf eine Höhe von 4300 msnm
fahren rasten wir alle völlig aus. Es gibt ja so einiges hier, was man nur
schwer in Worte fassen kann, aber die Selva Alta ist an diesem Tag zu meiner
Lieblingslandschaft geworden. Kike schaut mich an, legt seine Hand auf die
Brust, an die Stelle, wo sich sein Herz befindet und sagt „Perú, te amo!“. Ich
lächle und verstehe es vollkommen. Ich glaube, ich auch irgendwie.
Wir halten an, holen die
Fahrräder vom Dach, präparieren uns für die Abfahrt in die Selva. An die 60km.
Und um die 3500 Höhenmeter Unterschied. Eine übertrieben fetzige Sache. Auf dem
Fahrrad der Landschaft beim Verändern zusehen. Alle hundert Meter wird es
heißer, es tauchen riesengroße Bananenstauden auf, die Dörfer werden zu kleinen
Ansammlungen von einfachen Holzhütten, man kann jetzt auch die Tiere der Selva
hören: Vögel, Affen und so einiges mehr. Das Glücksgefühl tanzt in mir.
Schwitzend kommen wir an. Und schmeißen uns mit Genuss in den Bach, dessen
Wasser frisch und kühl aus den Felsen entspringt. Die Dunkelheit bricht ein.
Halb 6 pm. Uns fehlen uns nurnoch ein paar Stunden bis nach Puerto Maldonado,
die Stadt in der Selva.
Zwei Tage unterwegs.
Unvorstellbar für unsere gewohnten, durchaus winzigen Entfernungen, innerhalb
Deutschlands. Aber gerade auch dadurch versteht man erst, wie enorm und
vielseitig dieses spektakuläre Land ist.
Perú, me gustas tú!
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