Ich sitze in meinem vorübergehenden Zimmer - eng an der Terassentür, um Internet zu erhaschen. Es ist Montag, 20.00 Uhr und dunkel in Arequipa, Peru. Der Mond scheint verkehrt herum. Ich überlege, wie ich Euch von meinen ersten Tagen in Arequipa berichten soll und muss sagen: es fällt mir nicht leicht...
Dennoch...
Nach meinem vierten Tag in Arequipa kommt es mir so vor, als bin ich eine halbe Ewigkeit hier. Es fällt mir schwer, mich an meine 25h-Reise zu erinnern: Ich glaube, sie war lang, anstrengend, aufregend und weniger chaotisch als ich dachte. Dass ich mit gesamten Gepäck und zufrieden in Arequipa ankam - ohne besonders zu erwähnende Zwischenfälle - ist Beweis genug, dass ich gewissen Fähigkeiten besitze, die ich bisher immer geleugnet habe... alleine Reisen ist eben doch sehr intensiv.
Angekommen!
Ich wohne in einer WG in einem schönen Viertel Arequipas und fühle mich richtig wohl. WG-Flair gefällt mir, das Miteinander ist ziemlich locker, entspannt und man kann einiges lernen, wenn man mit Menschen unterschiedlicher Nationen zusammenwohnt.
Arequipa ist traumhaft. Natürlich konnte ich bis jetzt nur Ansätze der zweitgrößten Stadt Perus (!habe ich heute erst erfahren!) kennenlernen, aber ich freu mich auf den Rest. Die Umgebung ist sehr imposant. Ich gehe vor die Haustür, drehe mich um und sehe schneebedeckte Vulkangipfel in die Höhe ragen. Die Sonne scheint den ganzen Tag ziemlich stark und sorgt für ein angenehmes Klima auf einer Höhe von 2.350m. Tagsüber ist es ziemlich warm, kühlt aber, sobald die Sonne weg ist, sehr schnell ab.
Auf den Straßen ist viel los, besonders Abends. Es gibt viele Taxis, viele Combis (so nennt man hier die bis unters Dach vollgestopften Busse), viel Gehupe, Gedrängel und Chaos auf den Straßen - zumindest hat es für mich diesen Anschein - aber es funktioniert. Taxifahren, aber insbesondere mit dem Combi fahren ist megaspannend und macht Spaß, auch wenn es morgens ein ziemliches Gequetsche ist.
Peruanisches Essen ist ziemlich lecker. Habe es gleich an meinem zweiten Tag hier probiert. Es gibt viel Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte... und allgemein sehr viel zu Essen. Schon in den frühen Morgenstunden riecht es in den Straßen nach Gebackenem, Gebratenem, Gekochtem. Zur Eingewöhnung ist es sehr von Vorteil, dass ich mich selbst versorgen kann. Auf den Märkten gibt es alles, was man gebrauchen kann sehr preiswert: Obst, Gemüse (sehr viel, sehr lecker), Käse etc.
Heute war ich den ersten Tag im Projekt. Hat mir supergut gefallen. Die "Escuela Especial Paul Harris" ist eine staatliche Förderschule für Kinder und Jugendliche von 2 - 18 Jahren mit mehrfacher Behinderung. Ich war heute mit Dani - der Freiwilligen, die ich ablösen werde - in einer Aula (in Deutschland könnte man Klasse dazu sagen) mit jüngeren Kindern. Sehr spannend. Die Kinder sind super. Morgen gehts weiter - ich freu mich.
Ich könnte noch so viel mehr erzählen. Aber ich fasse mich kurz.
Mir geht es gut. Meine aus Deutschalnd mitgebrachte Erkältung neigt sich glücklicherweise dem Ende zu und weicht hoffentlich auch keinen anderen Beschwerden. Bis jetzt ging es dem Magen und dem Kopf supergut. An die Höhe habe ich mich schnell gewöhnt. Jetlag war nicht das große Problem, merkt man aber. Das große Sorgenkind ist leider die Sprache. Es wird hier sehr schnell und viel gesprochen, was mir dann schwer fällt, zu verstehen - insbesondere wenn es laut ist und viele Menschen reden. Für das nötigste reicht mein Spanisch jedoch aus. Werde ab nächste Woche noch einen Sprachkurs machen und wenn Dani abgereist ist, auch noch kaum Gelegenheit haben, deutsch zu sprechen. Dann wird das.
Bin also noch vollkommen mit Ankommen und Einleben beschäftigt. Muss Vieles, was ich hier sehe und erlebe, erstmal auf mich wirken lassen. Momentan fällt es mir noch schwer, dass alles in Worte zu fassen. Ich hoffe, Euch trotzdem einen Einblick geben zu können...
| Über den Anden |
| (noch) Über den Anden |
| Nebengasse in Arequipa |
| el Cachani (6.075m) |
| el Misti (5.821m) |
| Arequipa (2.353 m) |
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