Mittwoch, 14. September 2011

Ich betrete die Straße vor meinem Haus. Der erste Schritt in die Sonne tut gut und macht wach. Um 7 Uhr muss ich jeden Tag meine Wohnung verlassen und mich auf den Weg zur Arbeit machen. Dank der Zeitumstellung und dem Stand der Sonne kommt mir 7Uhr in Peru nicht so vor wie 7Uhr in Deutschland, zum Glück. Wer weiß, wie lange es dauert, bis man sich daran wieder gewöhnt hat und den ewigen Kampf des Aufstehens fortführt.
Es ist jetzt schon ziemlich warm in der Sonne; aber sehr gut auszuhalten. Vor mir liegen 45 Minutan Fahrt in das Projekt. Natürlich mit dem Combi. Die Straßen sind um diese Uhrzeit gut gefüllt. Viele Menschen. Viele Autos. Viel Gehupe. Viele Combis. Die Straßen Perus: eine Recyclingsstelle für alte Autos. Es riecht nach Abgasen. Und Essen. Wie immer.
Etliche Kombis fahren an mir vorüber. Der Cobrador, der an der halb geöffneten Bustür steht, ruft die wichtigsten Stationen auf die Straße.  Eine seiner wichtigsten Aufgaben neben dem Abkassieren beim Aussteigen. Baja, Baja, Baja. Die Menschen Strömen zu dem Combi und quetschen sich in den ohnehin schon gut gefüllten Bus. Sube, Sube, Sube. Mit Gehupe und Gepfeife geht es weiter. Da kommt mein Combi. Mittlerweile habe ich verstanden, dass die Farbe des Kombis je nach Strecke variiert und die Richtung auf Pappschildern in die Windschutzscheibe geklebt ist. Dunkelgrün, ein roter Streifen, darüber weiß. Ich mache eine Handbewegung, der Combi hält an und ich steige ein. Oftmals quetsche ich mich vielmehr hinein. Laute Musik. Menschen, die mitsingen und welche, die seelenruhig schlafen. Die rasante Fahrt durch Arequipa geht los. Das Stehen im Combi ist durchaus problematisch. Mit 1,73m gefühlte 10cm größer als der Durchschnitt hier. Eine rasante Kurve und ich stoße mit dem Kopf an den Haltegriff, manchmal auch so schon fast an die Decke. Wenn ich Glück habe ergattere ich nach 10 Minuten einen Sitzplatz; wenn ich noch mehr Glück habe, sogar einen, der genügend Platz für meine hier doch ungewöhnlich langen Beine hat.
Nachdem ich die ersten Tage auf der Fahrt ganz schön ins Schwitzen gekommen bin, gehöre ich mittlerweile zu den schlafenden Fahrgästen. Haltestellen? Gibt es. Aber die sind egal. Aussteigen und Einsteigen passiert dort, wo man möchte. Nach ungefähr 40 Minuten Fahrt erhebe ich mich von meinem Sitz, sammel mein Kleingeld zusammen, gehe zum Cobrador, der immernoch waghalsig aus der Tür hängt. Er fragt mich ob und wo ich aussteigen will. An der Ecke, beitte. Der Combi biegt ab, der Cobrador springt, während der Bus weiterfährt, hinaus und ruft wieder einmal. Baja, Baja. Ich steige aus, Menschen strömen mir entgegen. Es ist kurz vor 8. Die restlichen Minuten laufe ich zur Arbeit.
Überall Staub. Heute fallen mir besonders meine dreckigen Füße auf. Normalität. Es ist sehr trocken in Arequipa; das Umland so gut wie Wüste. Kein Wunder. Seit 2 Tagen gibt es bei uns kein warmes Wasser. Warum? Keine Ahnung. Vielleicht morgen wieder.
Ich laufe an ungefähr 10 Tiendas vorbei - Tienda: eine Art Kiosk, in der man alles kaufen kann. Teilweise auf Rädern auf der Straße. Viele Menschen nicken mir freundlich zu, einige pfeiffen, wenige rufen. Eine Gringa. Trotzdem ich mich gegen das rot-blond entschieden habe, sieht man mir meine Herkunft ziemlich gut an. Na Klar! Dennoch ein komisches Gefühl. An der letzten Tienda vor der Schule mache ich halt. Buenos dias, señorita. Der freundliche Besitzer begrüßt mich. Ich kaufe mein Wasser (Ich habe in den letzten 2 Wochen mehr Plastikflaschen gekauft als in den letzten 2 Jahren). Der Tag wird kommen, an dem ich mich an das arequipenische Leitungswasser herantraue. Der Mann gibt mir noch ein paar Worte mit auf den Weg. Chau! Hasta luego!
Obwohl mein Spanisch zu wünschen übrig lässt, habe ich nach 2 Wochen natürlich sämtliche Kurzformen drauf. Die Schule ruft!

Eine Stunde meines Tages für Euch... und ein paar Bilder der letzten Tage.
Hasta!

Sonntags in Arequipa: Leere Straßen, die Combis fahren.

An der Puente Grau.
Silencio por favor.
Am Morgen: der Blick aus meinem Fenster.
und weil der so schön ist, nocheinmal :)

2 Kommentare:

  1. Ich finde deinen Blog einfach wahnsinnig toll:) Jenny aus dem nicht so weiten Lima:*

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  2. jajaja tu blog parece interesante, veremos como va con el tiempo y no se dice CABRADOR, se dice COBRADOR....

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