Donnerstag, 17. Mai 2012

Que miedo...!?

Während ich so hin und her überlege, ob es  wieder nur ein Traum ist oder diesmal ernsthafte Wirklichkeit, spüre ich bereits, wie die Angst durch meinen Körper kriecht. 

Das letzte Mal hatte ich davon geträumt. Alles wackelte, rumpelte. Ich rannte aus meinem Zimmer, schlaftrunken, um Elo und Kike, die vermutlich noch schliefen, Bescheid zu geben. Scheiße, alles bewegt sich, schnell raus hier. Aus ihren verwunderten Blicken wurde ich nicht schlau. Was los? Verdammt, spürt ihr das nicht? Nach sanften Aufforderungen, wieder ruhig ins Bett zu gehen, realisierte letztendlich auch ich, dass ich nur geträumt hatte. Aber somit war auch klar, welche Ängste mich in meinem Leben in den Anden begleiten. Erdbeben. Zum Beispiel.

Ich setze mich langsam auf. Mein erster Gedanke: Raus hier! Neben der Tatsache, dass alles wackelt, wird das Erdbeben von einem Lärm begleitet, der unglaublich beeindruckend ist: Die Fenster, Türen, Schränke klappern, klirren, knärzen. Und man kann die Geräusche der sich bewegenden Erde hören, ein dumpfes Geräusch, was von weitem erklingt, im Takt der Bewegungen. Ein Hämmern, Rumpeln, Grollen. Ich stehe auf, um mir Hosen anzuziehen und das Haus zu verlassen. Dritter Stock. Ob das so eine so gute Idee ist, kann ich in diesem Moment auch nicht so richtig einschätzen. Der Stand ist so unsicher, dass ich mich wieder auf mein Bett setze, die Hände um die Bettkannte geklammert, die Füße gegen die Erde gestemmt und mir mutmachend zurede: ya va a pasar, ya va a pasar, ya va a pasar (es hört gleich auf, es höt gleich auf, es hört gleich auf). Nach weiteren 20 Sekunden kann ich in der Tat spüren, wie sich alles langsam beruhigt. Die Lautstärke lässt nach, das Wackeln wird sanfter, das Herzrasen auch. 5 Uhr. En punto. Allein. Der Schreck kommt erst danach. Wenn man realisiert, was das eigentlich gerade war. Zum Glück klopft kurz danach Angy (mi mama peruana) an meine Tür und nimmt mich in den Arm. Alles gut. Während ich so den Halt spürte, den ich vorher komplett verloren hatte, rollten mir einzelne Tränen die Wange herunter. Angst, Ehrfurcht, Respekt, Schreck. Oder alles zusammen.
Gut, dass es dieses kleine Beben gab, sagte sie. Mit jedem kleinen Beben scheint die Wahrscheinlichkeit eines Großen zu sinken, hoffen die Menschen, und ich auch. Klein war es für mich in jedem Fall nicht. Aber es ist ja nichts gravierendes passiert. Außer, dass ich mein erstes Erdbeben gespürt habe. Und dafür muss es schon Stärke 6 auf der Richterskala haben...




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