Dienstag, 20. März 2012

un fin de semana

Da stehen wir nun. In Lima, Peru. Kurz vor dem Manu Chao Konzert. Tanzend in der Schlange und warten auf unser Bier. Mit dem Gefühl von Sommer und Festival im ganzen Körper. Die Lichter der Bühne fliegen über uns hinweg, strahlen die Bäume in allen Farben an. Alles auf Spanisch - und man versteht es, ohne mit aller Gewalt hinzuhören. Es fallen kleine Regentropfen auf die Köpfe. In Lima, wo es so gut wie nie regnet. Die noch immer zu spürende Hitze des Tages lässt die vereinzelten Regentropfen zu einer angenehmen Erfrischung werden. 
Und manchmal, wenn man sich das alles etwas genauer durch den Kopf gehen lässt, ist es doch irgendwie unvorstellbar, genau hier zu sein und genau das zu erleben.

Fünf Meter bevor wir uns eines kühlen, durchaus etwas ekelhaften Biers erfreuen können (es gibt sehr wohl peruanisches Bier, was sich mit dem bekannten aus der Heimat vergleichen lässt, aber dieses, welches hier ausgeschenkt wird, gehört leider zur anderen Sorte) schließt der Stand die Fenster, schiebt die protestierenden Menschen weg. Alles leer. So ist es eben. Mit einem vollen Becher in der Hand lässt es sich sowieso nicht so richtig gut tanzen. 

Nach einem wunderbaren Wochenende in Lima mache ich mich Sonntag abend auf zum Flughafen. Etwas spät dran, wie immer. Am Check-In ist kaum eine Menschenseele anzutreffen. Ich ahne es schon, gehe trotzdem hin. Nach Arequipa, sage ich der Dame am Schalter und schiebe ihr meinen Reispepass zu. Sie schaut mich an, ich bilde mir ein mit einem etwas besorgtem Blick. Entschuldigt sich und sagt, der Check-In für meinen Flug sei schon geschlossen. 45 Minuten vorher schließt er. Ich schaue auf die Uhr. 42 Minuten vor dem Flug und realisiere, heute abend nicht mehr in Arequipa anzukommen. Ich werde zu einem anderen Schalter geschickt. Umbuchen. Alle Freundlichkeit der Welt, Ausreden und Diskussionen haben nich geholfen. Der erste Flug am nächsten Morgen wird meiner werden, damit ich noch rechtzeitig auf Arbeit erscheine.
Ich könnte mich über mich ärgern. Über meine vertriefte Art, Termine wahrzunehmen. Aber ich tue es nicht. Meine innere Uhr ist wohl sehr gut vergleichbar mit der Hora peruana... manchmal vielleicht schon zu sehr. Aber das gehört wohl irgendwie auch zu mir - schon immer ein bisschen. Ich nehme das nächste Taxi zur Wohnung der Freiwilligen, wo ich lebe, wenn ich mich in Lima aufhalte. Schmunzelnde Gesichter empfangen mich. Keiner sagt etwas - warum auch. Aber in ihnen steht geschrieben: wir haben es uns ja schon irgendwie gedacht. Die Konversation auf der Terrasse bearbeitet gerade das Thema interkultureller Klischees. Ich schmeiße meinen Rucksack in die Ecke und geselle mich dazu. Elo und Kike schauen mich an. Resa, also deutsch bist du irgendwie nicht. Aber das wissen meine beiden WG-Compañeros ja schon seit einem halben Jahr. Und irgendwie gefällt es mir so auch ein bisschen besser.




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